Historischer
Ratskeller

Der Ratskeller der Stadt Leipzig gehört zweifelsohne zu den traditionsreichsten Lokalen der Messestadt. Er befindet sich im Neuen Rathaus, das auf den Mauern der alten Pleißenburg errichtet wurde. Von hier aus sind alle Sehenswürdigkeiten der Messestadt gut zu Fuß erreichbar.

Heute sind unsere sieben Gesellschaftsräume mit insgesamt 700 Plätzen die richtige Adresse für die Ausrichtung Ihrer Feier; ganz egal, ob schöne Stunden zu zweit, private Familienfeiern im kleinen Kreis oder Firmenveranstaltungen. Im urigen Gewölbe unseres Hauses kann jeder Gast eine zeitlang den Alltagstrubel hinter sich lassen und sich mit kulinarischen Raffinessen der gutbürgerlich-sächsischen Küche verwöhnen lassen.

Der über drei Meter hohe Stuhl direkt im Eingangsbereich des Großen Kellers ist Symbol für die Gastlichkeit unseres Hauses.

Im Jahr 1895 kauft die wohlhabende Stadt Leipzig dem sächsischen König die militärisch bedeutungslos gewordene Pleißenburg für reichlich vier Millionen Goldmark ab. 1897 wird -mit Ausnahme des Turmes- die Festung geschliffen, um auf den Fundamenten ein neues Rathaus zu errichten.

Der bekannte und einheimische Baumeister Hugo Licht geht aus einem internationalen Wettbewerb als Sieger hervor; nach seinen Entwürfen entsteht zwischen 1899 und 1905 für insgesamt rund neun Millionen Mark ein imposantes architektonisches Ensemble. Auf dem Grundriss eines unregelmäßigen Fünf-ecks erhebt sich -um drei Innenhöfe herum- ein riesiger Gebäudekomplex, der den gewachsenen Wohlstand und das ausgeprägte Selbstbewusstsein der Messestadt im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvoll untermauert.

Nach außen hin ohne geschlossene, einheitliche Fassade, sondern mit Türmchen, Erkern und Giebeln mannigfach strukturiert, gilt die kühne eklektizistische Mischung aus Barock und Spätrenaissance -nicht ohne Hintersinn- als Krönung des „Leipziger Jugendstils“.

„Wenn sich also eine mächtig aufstrebende Großstadt in dem Vollgefühl ihrer Kraft ein stolzes neues Rathaus erbaut und darin nach alter Sitte wieder einen Ratskeller einrichtet, so ist das durchaus keine unzeitgemäße, altertümelnde Schrulle.

Die Zeiten freilich sind vorüber, wo der Rat jeden namhaften Fremden, der das Weichbild der Stadt betrat, mit einem Ehrentrunk begrüßen konnte.

Aber eins ist auch heute noch möglich: dass die Bürgerschaft als solche, als Bürgerschaft, Gastfreundschaft übt, indem sie in dem Hauptgebäude der Stadt, im Rathause, eine gastliche Stätte schafft, wohin den Fremden das sichre Gefühl begleitet, dass er hier »gut aufgehoben« sei. Darum kehren alle deutschen Großstädte, wenn sie sich ein Rathaus bauen, mit Recht zu der guten alten Sitte des Ratskellers zurück und wetteifern darin, diese gastliche Stätte vornehm und würdig, gediegen und behaglich auszustatten“. Gut 115 Jahre ist es her, dass ein stolzer Leipziger diese Zeilen zu Papier gebracht hat – eigens für eine schön gestaltete Schrift über den gerade eingeweihten Ratskeller. Der Klang seiner Worte mag uns an längst vergangene Zeiten erinnern, ihr Geist aber ist noch immer so frisch wie einst. Mehr denn je wetteifern Stadt und Land um die »Hebung des Fremdenverkehrs«, auch wenn es natürlich längst keiner mehr so nennt. Heute heißen die Besucher Touristen und was sie erleben sollen und wollen, sind Highlights und Events.

Die Sprache hat sich im Laufe der Zeit gehörig geändert, geblieben ist der Wunsch und das Bedürfnis einzukehren in gastliche Stätten, die vornehm und würdig, gediegen und behaglich sind. Die alten Werte als neue Tugenden für jung und alt erlebbar zu machen, die Traditionen mit dem Zeitgeist zu verbinden – Bewahrung und Wandlung zugleich: Darin liegt unser Anspruch, dem wir auch in Zukunft gerecht werden möchten. Seien Sie uns deshalb herzlich willkommen, zu welcher Gelegenheit und welchem Anlass auch immer: Ob nur auf ein Glas Bier oder einen Schoppen Wein, ob zum Dinner for two oder in geselliger Runde, ob zur Familienfeier oder zum Firmenjubiläum. Fühlen Sie sich wohl bei uns, genießen Sie im historischen Ambiente der verschiedenen Räume die kulinarischen Angebote aus Küche und Keller. Lassen Sie sich im Ratskeller der Stadt Leipzig verwöhnen – und wenn es Ihnen gefallen hat, dann empfehlen Sie uns doch weiter.

1563
Der Rat der Stadt Leipzig eröffnet einen Weinkeller

1626
Angesichts großer Schulden und magerer Gewinne verpachtet der Rat seinen Weinkeller für 450 Gulden pro Jahr an den bisherigen Ratsweinschenk.

1826
Der Betrieb des Ratsweinkellers wird eingestellt.

1895
Die wohlhabende Stadt Leipzig erwirbt die militärisch bedeutungslose, durch Hieronymus Lotter erbaute Pleißenburg für 4 Millionen Goldmark vom sächsischen König, um dort ein neues Rathaus zu errichten.

1896
Die Ausschreibung des Rathausbaus sieht an jahrhundertealte Traditionen anknüpfend ausdrücklich einen „Ratskeller mit allen zum Betriebe eines Wein- und Bierschanks nötigen Wirtschafts- und Nebenräumen“ vor.

1897
Die alte Festung wird mit Ausnahme des Turmes geschliffen.

1899 bis 1905
Nach Plänen des einheimischen Baumeisters Hugo Licht wird auf den Fundamenten der Burg das Neue Rathaus errichtet.

01.10.1904
Noch vor Fertigstellung des Rathauses öffnet der neue Ratskeller zum ersten Mal seine Pforten. Erster Pächter ist Karl Blechschmidt.

1922
Mit der Renovierung wächst die Kapazität des Ratskellers auf über 700 Plätze. Aus ehemaligen Personalschlafräumen entstehen das Hochzeitszimmer und das Kaffeekabinett.

1939
Wegen Einberufung der wehrfähigen Männer in den II. Weltkrieg werden erstmals in der Geschichte des Ratskellers weibliche Bedienungen eingesetzt.

60er Jahre
Nach nur drei Jahren unter Regie der volkseigenen Handelsorganisation der DDR (HO) wird der ertragreiche Ratskeller wieder zum Volkseigenen Betrieb (VEB).

01.07.1999
Der Ratskeller Leipzig wird zur Ratskeller der Stadt Leipzig GmbH unter Leitung der geschäftsführenden Gesellschaftern Herr Winkler und Herr Woithon. Nach der Übernahme wurden die kompletten Räume des Ratskellers renoviert und neu gestaltet.

04.10.2004
100jährige Geburtstagsfeier des Ratskeller Leipzigs

2005
Unsere Restaurantleiterin, Frau Dörwald, führte die Ratskeller der Stadt Leipzig GmbH 2005 erfolgreich zur Zertifizierung ausgezeichneter service-orientierter Dienstleistungsunternehmen „Servicequalität Sachsen“.

2007
Wir sind stolze Gewinner des „ Berufsausbildungspreises der Stadt Leipzig 2007 “ (in der Kategorie „Unternehmen bis 50 Beschäftigte“)

Wir erhielten das Zertifikat „Sachsen genießen – Kinder, das schmeckt!“. Gastronomische Betriebe, die an der Gemeinschaftsaktion teilnehmen, enthalten eine entsprechende Urkunde. Sie ist für Sie als Gäste zugleich der Beleg dafür, dass der teilnehmende Betrieb u. a. folgende Kriterien erfüllt:

> eine speziell gestaltete Speisekarte für Kinder

> mindestens drei für Kinder geeignete Gerichte

> ein Mineralwasser und ein Fruchtsaft eines Herstellers aus der Region

> eine familienfreundliche Ausstattung und Einrichtung

> möglichst inklusive der Vorstellung von regionaltypischen Produkten und ihrer Erzeuger

2008 

Preis im Wettbewerb um den LVZ-Service-Preis 2008

Der Ratskeller Leipzig hat beim LVZ-Servicepreis 2008 den 3. Platz gewonnen. Die Auszeichnung erfolgte am 07.03.2008 bei der diesjährigen Service-WM im Congress Center Leipzig auf dem Messegelände der Neuen Messe.

Die Abstimmung erfolgte per Telefon, insgesamt haben sich 45 Firmen aus Leipzig beworben.

Sichtlich erfreut über den Erfolg des Unternehmens nahm Ingo Winkler, geschäftsführender Gesellschafter des Ratskellers der Stadt Leipzig, den Preis in Empfang. „Wir sind überglücklich und freuen uns, dass unsere Gäste und die Leser der Leipziger Volkszeitung mit unserem Service so sehr zufrieden sind“, sagte er.

Patenschaft

Wir haben eine Patenschaft für 7 Fröbel-Kindergärten übernommen, kochen und backen mit den Kleinen.

01. 10. 2009
Der Ratskeller der Stadt Leipzig feiert seinen 105. Geburtstag.
Unter anderem:
• Einführung Ritterbrunch
• Einführung Ess-Klasse
• Etablierung des Lotterladens
• Whiskyseminar, Bierseminar, RegioBrunch seit
• Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt Leipzig seit 2011
• Jährliche Teilnahme an „Leipzig genießt“ seit
• Unterstützung Fröbel-Kindergärten seit
• Unterstützung „Elternhilfe für krebskranke Kinder“ seit 2011
• Umbenennung Hochzeitszimmer in Burgzimmer Im Jahr
• Umbenennung Burgzimmer in Richard-Wagner-Zimmer im Jahr

2011
Der“edward“ geht an… – Flachglas Torgau und Ratskeller Leipzig erhalten IHK-Bildungspreis der Leipziger Wirtschaftsregion

Leipzig, 11. Oktober 2011 – Doppelt spannend wurde es heute Abend (11. Oktober 2011) im Mediencampus Villa Ida Leipzig. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig verlieh erstmalig einen Bildungspreis der Leipziger Wirtschaftsregion. Im Beisein von 200 geladenen Gästen – darunter auch Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht – wurden aus dem Kammerbezirk Leipzig (Stadt Leipzig, Landkreis Nordsachsen, Landkreis Leipzig) zwei Betriebe für ihr überdurchschnittliches Engagement in der Berufsorientierung sowie in der beruflichen Aus- und Weiterbildung geehrt. Der „edward“ in der Kategorie „Unternehmen bis 50 Mitarbeiter“ ging an die Ratskeller der Stadt Leipzig GmbH. In der Kategorie „Unternehmen von 51 bis 250 Mitarbeiter“ konnte die Flachglas Torgau GmbH die gusseiserne Trophäe mit nach Hause nehmen. Die Gewinner erhalten jeweils 3.000 Euro, die für die interne Fachkräftequalifizierung im Unternehmen bestimmt sind, sowie einen Imagefilm für ihr Arbeitgebermarketing.

Zum edward: Die Bezeichnung „edward“ ist eine Kurzwortbildung aus den englischen Begriffen „education“ (Ausbildung/Bildungsarbeit) und „award“ (Auszeichnung/Belobigung).

In diesem Jahr fand auch das erstmalige Catering beim Opernball Leipzig durch den Ratskeller statt. Außerdem eröffnete der Ratskeller seine Facebook-Seite 2011.

2012 
Der Ratskeller durfte zum zweiten mal das Catering beim Opernball Leipzig organisieren und leiten.

24.12.2013
Brand in den Räumen des Ratskellers

2014 
Renovierungsarbeiten und „neu“ Gestalltung des Ratskellers, Umbau der Schankanlage, Licht und Musik Steuerung in allen Räumen.

1.10.2014
Wiedereröffnung nach Brand

2016
Für Neugierige und Experimentierfreudige gibt’s seit 2016 ein ganz neues Mahl im Ratskeller: Das CookMahl

Seit 11.11.2016: Eröffnung der Webseite: www.leipzigerbraumanufaktur.de

2017
21. März – Einweihung der Leipziger Braumanufaktur
Am 27. März fand der Brauerei Anstich durch den Oberbürgermeister Burkhard Jung statt.
November – Der Ratskeller ist vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA als „Empfohlener Ausbildungsbetrieb“ zertifiziert worden.

2018
Erste Teilnahme mit der Marke „Lotteraner Kellerbier“ an der Leipziger Bierbörse.

Am 01. 10. 2019 feiert der Ratskeller der Stadt Leipzig seinen 115. Geburtstag.

Im 13. Jahrhundert beauftragte Markgraf Dietrich (später „der Bedrängte“ genannt), den Ausbau der bereits vorhandenen Wehranlage im Bereich des späteren Matthaiskirchhofs und den Neubau von zwei weiteren Zwingburgen – am Grimmaischen Tor und gegen Süden hin,- seit dem 16. Jahrhundert das „Feste Schloss“ und wegen ihrer Lage die „Pleißenburg“ genannt.

Im Jahre 1224 stürmten die Leipziger die drei herrschaftlichen Zwingburgen und zerstörten zwei von ihnen. Nur die Pleißenburg blieb erhalten und wurde im Verlauf des 13. Jahrhunderts zur neuen markgräflichen Burg ausgebaut. In den folgenden Jahrhunderten erfolgten diverse Um- und Anbauten.

Im Juli 1519 fand hier die Leipziger Disputation zwischen Martin Luther und dem papsttreuen Theologieprofessor und Vizekanzler Johann Eck und dem Luthervertrauten Andreas Bodenstein gen. Karlstadt statt. In der großen Hofstube hielt Luther seine erste Predigt in Leipzig.

Die Pleißenburg erfährt schlimme Verwüstungen im Schmalkaldischen Krieg 1546/47.

Kurfürst Moritz beauftragt den kurfürstlichen Baumeister und Leipziger Ratsherren Hieronymus Lotter (1497/98 – 1580) mit dem Neubau der Pleißenburg.

Unter Leitung Lotters  wurde die Burg zwischen 1549 und 1569 neu errichtet und zur Festung um- und ausgebaut, spielte aber im 16. Jahrhundert militärisch keine Bedeutung.

Besonders die großen Weinvorräte des Kellers sind in dieser Zeit von großem Interesse.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wechselte die Pleißenburg mehrfach die Besatzung und zwei Jahre nach Beendigung des Krieges, 1650, räumten die Schweden die Pleißenburg und verließen Leipzig als letzten von ihnen beanspruchten Platz in Sachsen.

Pleißenburg : Im 18. Jahrhundert dienten Gebäudeteile außer der Garnison auch der 1764 gegründeten Kunstakademie, und auf dem 53 Meter hohen Turm richtete die Universität eine Sternwarte ein.

Im Jahre 1838 erfolgten nochmals größere Bauarbeiten. Auf der Bastei wurde eine Kaserne errichtet, denn nach den Leipziger Unruhen von 1830/31 errang die militärische Funktion als Zwingburg gegen die Stadt wieder erhöhte Bedeutung.

1845 und während der Revolution von 1848/49 diente die Garnison zur Unterdrückung der revolutionären Kräfte. Während des deutsch-französischen Krieges war ein großes Gefangenenlager in der Pleißenburg untergebracht.

Zwischen 1871 und 1876 wurden drei weitere Kasernentrakte, zwei Speichertürme und eine Exerzierhalle errichtet.

1892 erklärte sich die sächsische Regierung bereit, unter den genannten Bedingungen die den modernen militärischen Anforderungen nicht mehr genügende alte Burganlage an die Leipziger Stadtverwaltung zu verkaufen, die auf dem Areal den Neubau des Rathauses plant.

Nachdem es  in Leipzig um die Mitte des 16. Jahrhunderts so viele Missbräuche im Weinhandel gab, herrschte große Unzufriedenheit in der Bürgerschaft. Deren Beschwerden darüber veranlassten letztendlich im Jahre 1563 den Rat der Stadt Leipzig, selbst als Weinhändler aufzutreten und einen Weinkeller aufzutun.

Allerdings wollten sich dies die Leipziger Weinhändler natürlich nicht gefallen lassen.

Nachdem verschiedene Versuche, den Rat zum Wiederaufgeben seines Kellers zu bewegen, erfolglos geblieben waren, beschwerten sie sich beim Kurfürsten. Sie beriefen sich  darauf, dass der Rat bisher niemals Wein, sondern immer nur Bier geschenkt habe, behaupteten sogar, der Weinkauf  sei  ihren Häuser „eingeleibet“, d.h. er ruhe als eine Gerechtigkeit darauf. Wenn der Rat seinen Weinschank nicht einstelle, so würden sie samt ihren Nachkommen schweren Schaden erleiden. Der Rat erklärte dagegen, die Vorfahren hätten gar keine Ursache gehabt, einen Ratsweinkeller einzurichten; früher hätten sich eben die Händler  und Schenke „tüchtige Weine gefleißigt“. Wenn aber auch der Rat früher keinen Wein geschenkt habe, so könne ihm doch niemand verwehren, es jetzt zu tun. Im ganzen Reich stehe es jedem Rat  in den Städten frei, Wein zu schenken. Von einer Schankgerechtigkeit der Bürger könne keine Rede sein. Der Kurfürst sandte darauf zum Ostermarkt 1565 eine Kommission nach Leipzig,  die zwischen dem Rat und den Weinschenken vermitteln sollte. Der Rat versicherte der Kommission, wenn sich die Händler und Schenken an die Ordnung hielten, die Stadt mit rechtschaffenem, tüchtigem Wein versorgten, so werde er sich auch gegen sie billig erweisen. Er gedenke hauptsächlich, Rheinwein zu führen. Die Bestimmung über die alljährliche Vereidigung der Weinschenken solle geändert werden, die Herren sollten nur jedes Jahr mit Handgelöbnis an ihren Eid erinnert werden; nur ihre Diener, die wirklichen „Schenken“ den Eid alljährlich neu leisten. Die Händler versprachen, sich in Zukunft der Ordnung gemäß zu verhalten. Der Kurfürst ließ dann auch kein Verbot ergehen, der Rat gab aus Gutwilligkeit nach, es wurde noch im selben Jahr – 1565 – eine neue Weinordnung gedruckt und die Sache schien beigelegt.

Aber der Friede währte nicht lange. Die Weinhändler hielten ihr Wort nicht, und 1573 eröffnete der Rat abermals einen eigenen Weinkeller. Diesmal dauerte es länger, bis die Weinhändler sich rührten, sie mochten wohl ein böses Gewissen haben. Erst versuchten sie es beim Rate selbst, dann erst, im Jahre 1587 erhoben sie Beschwerde beim Oberhofgericht. Ende Februar 1588 kam es wieder zu einer Verhandlung, zu der eine Menge Zeugen geladen waren. Diesmal blieb aber der Rat fest.  Über dreißig Jahre, erklärte er, hätten nun die Weinschenken geringe und untüchtige Weine mehr als zu teuer verzapft, worüber sich nicht bloß die Bürger, sondern auch die Fremden beklagt hätten. Der Rat habe ihnen das oft genug vorgehalten, aber immer vergebens. Dagegen habe er in seinem Keller meist reinere und bessere Weine gehabt als die Weinschenken, wenn sie sich auch seit einiger Zeit „Sonder Zweifel zu ihrer Beschönigung“, auch guter Weine mit befleißigten.  Das Ende war, dass der Ratsweinkeller bestehen blieb. Auf großen Gewinn war es dabei nicht abgesehen. In den 20 Jahren von 1590 bis 1610 z.B. hatte der Weinkeller im Ganzen nur einen Überschuss von etwas über 6000 Gulden.

Unter der eigenen Bewirtschaftung des Rats hat der Keller bis 1625 gestanden. 1626 verpachtete ihn der Rat an den bisherigen Ratsweinschenk für 450 Gulden jährlich. Fast zweihundert Jahre lang, bis 1811, ist dann der Keller verpachtet gewesen, zuletzt für 500 Taler jährlich. Und bis 1826 hat er auch noch, unter anderer Bewirtschaftung den Namen „Ratsweinkeller“ weiter geführt. Dann ging er ein. Er lag übrigens in der „Goldenen Schlange“ (Barthels Hof“) am Markte.